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Ein
Hauch
Ein Mitglied unseres Landesverbandes nahm im April zum
ersten Mal an der Delegiertenversammlung der Evangelischen
Akademkerschaft in Fulda teil. In seinem Kurzbericht an den
Vorstand fiel mir eine Formulierung auf: die zum großen Teil
schon hoch in den 70ern stehenden Delegierten, so sagte er,
seien in den Sitzungen mit unglaublicher Gründlichkeit und
schier grenzenloser Energie ans Werk gegangen, allesamt
bewundernswerte „gremiengestählte Schlachtrösser“, die
mit Eifer der Sache der Akademikerschaft dienten.
Der „Stahl“ und die „Schlachtrösser“ – da denke
ich an Gemälde von historischen Schlachten, mit glänzenden
Panzern und Ritterrüstungen, langen Speeren und Lanzen,
prächtig gekleideten, kampfeslustigen römischen,
französischen oder englischen Heerführern, aufbäumenden
Rössern mit funkelnden Augen. Am unteren Bildrand finden
sich dann, meist in ihrem Blut, die Opfer – je nach Epoche
ein Drache, die Heiden, unzählige Soldaten des Feindes.
Meiner Wunschvorstellung von der Akademikerschaft
entspricht das nicht. Sich selbst für wichtig haltende
Gremien sind leider nur allzu oft Schlachtfelder, auch wenn
es den meisten Beteiligten um die gute Sache geht. Statt
Rössern brauchen sie den Engel, der durch den Raum schwebt,
das Innehalten im heftigen Disput, die Besinnung auf den
Geist, der vereint. Welche Bilder kann ich finden, um diesen
Geist in unsere Mitte zu holen?
Im Bericht von der Auferstehung Jesu in Johannes 20, Vers
22, heißt es: „Jesus hauchte sie an und sprach zu ihnen:
Empfangt den Heiligen Geist!“ Dieses Bild des Anhauchens
hat mir gut gefallen, ihm will ich mit einigen Gedanken
nachgehen.
Für einen Evangeliumstext ungewöhnlich sinnlich, deuten
diese Worte vielmehr etwas Leichtes, Unbeschwertes, kaum
Wahrnehmbares an. Der Atem Gottes hauchte dem Adam Leben ein,
der Atem Jesu den Jüngern den Heiligen Geist. Was aber
bringt dieser Hauch uns?
Stellen Sie sich einen Augenblick lang einmal vor, sie
wären mit den Jüngern zu Jesus gegangen, Jesus hätte auch
Sie angehaucht und gesagt: „Empfange du den Heiligen
Geist!“ Was hätten Sie gespürt? Welches Gefühl hätte
sich in Ihnen verströmt? Was wäre da über Sie gekommen?
Freude - Feierlichkeit - Friede? Oder Leichtigkeit -
Lebendigkeit - Lächeln?
Welchen Menschen hätte der Atem Jesu aus Ihnen gemacht?
Der Hauch Jesu bläst das Schlachtross um. Jesus trat mit
dem Friedensgruß unter die Jünger, die in Furcht vor den
Juden versammelt waren. Nicht eine weitere Schlacht mit ihren
Gegnern sollten sie sich liefern, sondern den Heiligen Geist
in sich aufnehmen und weitertragen.
So wünsche ich mir die Ausstrahlung unseres Verbandes:
dass wir den Hauch Jesu spüren und unser Werk mit Freude,
Leichtigkeit und einem Lächeln beginnen und vollenden. Die
Schlachtrösser sollen andere reiten.
Katharina Städtler
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